Starke Mannschaftsleistung beim SV Türkiyemspor R.-B.
Alle waren sich nach dem Spiel in der Kabine einig: Grund für überschwänglichen Jubel gab es nicht – aber für große Zufriedenheit. Die ganze Mannschaft zeigte über 70 Minuten eine konzentrierte und engagierte Leistung, die mit einem verdienten Auswärtssieg belohnt wurde. Aber der Reihe nach.
Mindestens genauso wichtig wie das Spiel war die Aktion der Gastgeber vor dem Spiel. Mit einem großen selbstgemalten Plakat erklärten sie: „No Place For Racism“ (Kein Platz für Rassismus), das beide Mannschaften vor dem Anpfiff gemeinsam auf dem nigelnagelneuen Kunstrasenplatz in Ransbach-Baumbach präsentierten. Eine richtig coole Aktion des SV Türkiyemspor! Auch in der Mannschaft, die gestern für die C-Junioren des SVR antraten, waren mindestens sieben unterschiedliche fußballerische Wurzeln vertreten. Alle Jungs spielen mehrfach in der Woche zusammen Fußball, schwitzen beim Training, gewinnen und verlieren zusammen Spiele, kämpfen Seite an Seite, unterstützen und feuern sich gegenseitig an und haben dabei vor allem eines: ganz viel Spaß! Und so ganz nebenbei werden Vorurteile abgebaut – oder entstehen erst gar nicht – und alle ziehen an einem Strang. Die Herkunft der Jungs oder deren (Groß-)Eltern spielt dabei überhaupt keine Rolle. Daran hat die Aktion der C-Jugend des SV Türkiyemspor Ransbach-Baumbach erinnert. Vielen Dank dafür!
Natürlich wurde danach aber auch Fußball gespielt. In der gewohnten 4-4-2-Formation musste der SVR in der Abwehr erneut umstellen, da Stammtorwart Carl, Berat und Abwehrspezialist Ryan krankheits- bzw. verletzungsbedingt ausfielen. Außerdem war auch Jonas immer noch verletzt, der es sich aber nicht nehmen ließ, „seine“ Jungs von der Seitenlinie wie schon in Marienrachdorf lautstark zu unterstützen (beides Auswärtsspiele!). Ins Tor kehrte daher nach zweijähriger Pause Jendrik zurück, der auf dieser Position zuletzt auf kleineren Plätzen und Toren in der D-Jugend spielte. Die linke Abwehrseite wurde von Ole besetzt, der die Abwehrreihe mit Abwehrchef Mika, Benni und Abdullah ergänzte. Das Mittelfeld konnte hingegen mit Jakob, Joni, Dominique und Thiago fast in Stammbesetzung antreten und die beiden Stürmer hießen wie zuletzt schon Kapitän Maxi und Liron.
Die Truppe tat sich in der ersten Viertelstunde allerdings schwer, in die Partie zu kommen. Zwar übernahm sie von Anfang an das Kommando und versuchte, Druck aufzubauen – die erste Chance ging dann auch auf das Konto von Benni, der aus etwa 25 Metern mit einem starken Schuss den gegnerischen Keeper zu einer guten Parade zwang -, aber den Gastgebern gelang es immer wieder, durch feine Einzelleistungen und Konter Akzente nach vorne zu setzen. Der Zugriff auf das Spiel und Gegner fehlte noch und einige wichtige Zweikämpfe gingen verloren. Mika hätte sich zudem nach einem Textiltest am Trikot seines Gegenspielers über eine gelbe Karte nicht beschweren dürfen. Glück hatten die SVR-Jungs auch, als ein Schuss von der Strafraumgrenze an die Unterkante der Latte klatschte, von dort aus aber deutlich vor der Linie ins Feld zurücksprang. Jendrik war bis dahin kaum gefordert und ein Rückstand wäre unverdient gewesen.
Gegen Mitte der ersten Halbzeit gelang es dann vor allem Mika und Abdullah – er war sich auch für die eine oder andere Grätsche nicht zu schade – aber immer mehr, einen Schritt schneller als der Gastgeber an den Ball zu kommen und die Aktionen wurden immer sicherer und zielstrebiger. Eine sehr starke Leistung zeigte Ole, der anfangs in der Viererkette mit seiner Schnelligkeit und gutem Auge viele Löcher stopfte, dann jedoch immer öfter Gelegenheit fand, sich in offensive Aktionen einzuschalten. Seine verschiedenen Abschlussversuche waren leider nicht von Erfolg gekrönt.
Immer wieder setzte Ole auf der linken Seite auch Jakob in Szene, der mehrfach bis zur Grundlinie durchkam und scharfe Flanken schlug, die für große Gefahr im gegnerischen Sechszehner sorgten. Sein Pendant auf der rechten Seite, Thiago, wurde von Dominique immer wieder als Anspielpartner gesucht und gefunden. Alle Abschlussversuche, auch von Joni, der deutlich erkennbar immer stärker in die Saison kommt, wurden jedoch von der vielbeinigen Abwehr des SV Türkiyemspor geblockt oder in letzter Not zur Ecke geklärt.
Als alle schon mit einem Unentschieden zur Pause rechneten, eroberte Jakob wieder einmal auf der linken Seite den Ball und passte zu Dominique. Der zog von der halblinken Position aus etwa 18 Meter ab und die Kugel schlug rechts oben im Winkel ein – ein Wahnsinnstreffer, für den Dominique zu Recht von seinen Kameraden gefeiert wurde (35.+1). Ein Tor „zum richtigen Zeitpunkt“, wie man so schön sagt, und mit dem 1-0 ging es dann auch in die Halbzeitpause.
Ohne Wechsel starteten die Jungs dann in die zweite Hälfte und machten nahtlos dort weiter, wo sie aufgehört hatten. Die Gastgeber waren unter Dauerdruck, verteidigten jedoch geschickt. Für Entlastung konnten sie aber kaum noch sorgen. Im Gegenteil: Thiago setzte sich auf der rechten Seite mit einer feinen Einzelleistung bis zur Torauslinie durch, ließ dort seinen Gegenspieler aussteigen und passte millimetergenau und sehr scharf auf den Elfmeterpunkt, wo Jakob eingelaufen war und die Kugel zum 2-0 versenkte (44. Minute). Ein wunderbar herausgespielter Treffer.
Anton kam nun für den müde gelaufenen Joni, der seine Sache auf dem rutschigen Boden sehr gut gemacht hatte und auch Thiago durfte seinen wohlverdienten Feierabend antreten. Für ihn kam Louis und beide neuen reihten sich nahtlos in die Mannschaft ein. Dabei bestätigte Anton den guten Eindruck, den er im Training hinterlassen hatte und Louis sorgte ebenfalls dafür, dass der Druck nach vorne trotz der beruhigenden 2-0 Führung nicht nachließ.
Den Deckel machte dann Liron drauf: Nach einer unübersichtlichen Situation im Strafraum der Gastgeber bekamen sie den Ball nicht geklärt und Liron vollendete zum 3-0 (55. Minute). Seit Wochen in bestechender Form war Liron ein ständiger Unruheherd in der gegnerischen Hälfte und konnte von den Gastgebern nie kontrolliert werden. Im Anschluss wurde er von Alaattin ersetzt, der ebenfalls als laufstarker Stürmer dafür sorgen sollte, dass kein Zweifel mehr an dem Sieg aufkam.
In der 68. Minute kam es dann zu einer kuriosen Situation: Der Ball prallte zunächst unglücklich im Mittelfeld zum Gegner, der – nie aufgebend, aber doch in der zweiten Hälfte bis dahin ohne eigene Chance – plötzlich eine gute Schussposition im Strafraum erhielt. Der Abschluss sah eigentlich nicht gefährlich aus, aber der Ball beschrieb eine merkwürdige Kurve, prallte zunächst an den rechten Innenpfosten, von dort aus an den linken Innenpfosten und schließlich über die Linie ins Tor. Jendrik, der seine Sache als „neuer alter Keeper“ sehr gut gemacht und bei den wenigen Gelegenheiten der Gastgeber sicher zugepackt hatte, konnte den Treffer zum 3-1 nicht verhindern. Das war etwas „Künstlerpech“.
Noch waren aber inklusive der Nachspielzeit fünf Minuten zu spielen und die Jungs vom SV Türkiyemspor bekamen noch einmal merklich die „zweite Luft“. Aber hinten stand die Viererkette nun wieder sicher, und vorne zeigte Kapitän Maxi, warum er für die Mannschaft so wertvoll ist: Extrem ballsicher und körperlich robust hielt er die Kugel in der gegnerischen Hälfte weit weg vom eigenen Tor und sorgte so dafür, dass es auch nach 70+3 Minuten beim hochverdienten 3-1 Auswärtssieg blieb.
Dass Maxi überhaupt spielen konnte, war jedoch das Verdienst eines ganz anderen Spielers: Maxi hatte nämlich seine Fußballschuhe vergessen. Joschua opferte sich für seinen Kapitän, und lieh ihm seine Schuhe. Der gute, aber insoweit strenge Schiedsrichter Liam Herberger, untersagte Joschua, ohne Fußballschuhe spielen zu dürfen. Dabei stand die Gesundheit der Spieler natürlich völlig zu Recht im Vordergrund, denn der neue Kunstrasen wurde zunehmend feucht und rutschig. Joschua musste daher bis zum Ende auf der Bank bleiben. Maxi versprach Joschua zum Dank einen Kasten seines Lieblingsgetränks – und, dass er bei den nächsten Spielen seine Schuhe nicht mehr vergessen wird…
Es war ein Sieg der ganzen Mannschaft, die eine bis zum Schluss sehr engagierte, konzentrierte und auch kämpferisch-laufstarke Leistung zeigte. Sie war im Anschluss in der Kabine sehr zufrieden mit sich. Zu Recht: Sie zeigte die beste Leistung in der bisherigen Saison. Gratulation!
Wir danken der Mannschaft der SVR C-Junioren:
Jendrik (TW), Benni, Mika, Abdullah, Ole, Thiago, Dominique, Maxi (C), Jakob, Liron, Joni, Alaattin, Anton, Louis und Joschua
Ein großer Dank geht auch an die Unterstützer von der Seitenlinie und die Eltern-Taxis – das tut den Jungs gut!
MG






